Manipulation durch den Hund. Grundsätzlich kein Problem, aber Obacht.
Hunde sind extrem gute Beobachter und lernen rasend schnell unsere Reaktionen einzuordnen und entsprechend für sich zu nutzen. Sie lesen ins uns, wie in einem offenen Buch. Nicht, das sie dies machen würden um uns zu ärgern. Keineswegs. Sie lernen lediglich, dass auf ein bestimmtes Verhalten ihrerseits einVerhalten unsererseits erfolgt. Es ist uns gar nicht bewusst, wie oft und wie intensiv wir auf die Aktivitäten unseres Hundes reagieren.
Aufmerksamkeitsheischendes Verhalten ist meist harmlos. Man sollte sich der eigenen Reaktion darüber aber sehr bewusst sein. Nicht selten lösen wir durch unsere Reaktionen Verhaltensweisen beim Hund aus, die sich später zu einem echten Problem entwickeln können. Und dann wieder den "Aus-Schalter" zu finden, gestaltet sich meist schwierig.
Machen Sie doch einfach mal den Selbsttest
und ignorieren Sie Ihren Hund einfach mal für einige Stunden.Wahrscheinlich werden Sie feststellen, wie schwer Ihnen dies fällt. Keine Schmuseeinheiten, kein Ansprechen und kein direkter Blickkontakt. Zum täglichen Spaziergang leinen Sie Ihren Hund einfach wortlos an und draussen darf dann ausgelassen gespielt werden.
Für den Hund ist sein Verhalten uns gegenüber wie ein sehr grosser Verstärker, der häufig schon im Welpenalter geprägt wird:
Er springt uns an - wir heben ihn hoch oder streicheln ihn
Er blickt uns freudestrahlend an - wir freuen uns und geben ein Leckerchen
Er winselt herum - Wir fragen, was los ist und trösten ihn
Er stupst uns an - wir werfen einen Ball
Er bettelt am Tisch - wir können nicht widerstehen etwas abzugeben
Er humpelt - wir betüddeln ihn ganz besonders
Er wirft die Wasserschüssel um - wir stellen neues Wasser hin
Er mäkelt am Fressen - wir rühren Schmackhafteres unter
Er zerbeißt den Schuh - wir schimpfen mit ihm, aber danach wird geschmust, denn es tut uns ja leid
Was verknüpft der Hund?
Dies sind nur wenige Beispiele, die die unterschiedlichsten Verhaltensmuster zutage fördern, ohne das wir uns dessen überhaupt bewusst sind. Auf jedes Verhalten unseres Hundes zeigen wir eine Reaktion und wir sollten uns ganz genau überlegen, welche das ist und was der Hund damit verknüpfen könnte.
Zeigt der Hund beispielsweise überschwängliche Freude wenn wir das Haus betreten und wir freuen uns so sehr darüber, dass als allererstes der Hund bespasst wird, dann bestätigen wir ihn in seinem Verhalten. Dieses wird sich immer mehr ausprägen und er wird irgendwann nicht nur Ihre vollste Aufmerksamkeit einfordern, sondern auch die Ihrer Besucher.
Eine wahre Geschichte:
Durch seine Bauchverletzung hatte Bello gelernt, dass er viel Zuneigung erhält, wenn er gekrümmt geht und sehr leidend dasteht. Immer wenn er später Aufmerksamkeit brauchte, legte er dieses Verhalten an den Tag, was seine Besitzer in tiefe (Für-) Sorge stürzte. Nun fuhren seine Herrchen irgendwann in den Urlaub und der Nachbar kümmerte sich um ihn. Mehrere Tage stand Bello nicht aus seinem Körbchen auf und wenn doch, dann nur als Häufchen Elend. Hilflos, benachrichtigte die Nachbarin die Besitzer, die sofort nach Hause kamen. Kaum die Türe herein gekommen, sprang Bello putzmunter herum.
Irrtümlicherweise denken manche Hundehalter, dass Erziehung nur beim bewussten Üben und Trainieren stattfände. Wie wir aber nun wissen, lernt der Hund immer und Kommunikation mit unserem Hund findet auch immer statt.
Nutzen Sie dieses Wissen.
Wir selbst sind der Schlüssel und daher können wir ganz bewusst darauf achten, dass wir erwünschte Verhaltensmuster durch unsere Reaktionen fördern und Unerwünschte sofort in richtige Bahnen umlenken können.
So macht Erziehung Spaß!