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Ellbogendysplasie beim Hund

Die Ellbogendysplasie ist eine chronisch verlaufende Entwicklungsstörung des wachsenden Skeletts.
Auch wenn es neuesten Studien zufolge keine Verbindung zur HD (Hüftgelenksdysplasie) gibt, so ist die ED ähnlich wie die HD unter anderem auch auf eine genetisch bedingte Veranlagung zurückzuführen. Aber auch Fütterungs- und Bewegungseinflüsse spielen eine große Rolle. Die Ellbogendysplasie ist eine Erkrankung, die während des Wachstums entsteht. Deshalb taucht sie relativ häufig bei jungen Hunden schnell wachsender Rassen, wie z.B. Deutscher Schäferhund, Berner Sennenhund, Golden Retriever oder Labrador Retriever auf.

Unter der Ellbogendysplasie versteht man eine Miss- oder Fehlentwicklung im Bereich des Ellenbogens.
Wenn Elle und Speiche mit dem Gelenk des Oberarmknochens inkongruent sind, kann dies zu einer Erkrankung des Gelenks führen. Einerseits gibt es die genetische Komponente, andererseits gibt es überlastungs- oder auch unfallbedingte (traumatische) Ursachen für eine Ellbogendysplasie. Beide Komponenten können separat oder gemischt auftreten, deshalb ist es oft schwer, aufgrund einer Lahmheit die Diagnose ED zu stellen. Diese kann nur über die entsprechende Röntgendiagnostik durch den Tierarzt festgestellt werden.

Starke Überbelastungen in der Wachstumsphase, z.B. lange Spaziergänge, Fahrradfahren oder häufiges Treppensteigen sollten auf jeden Fall vermieden werden. Auf zu energiereiches Welpenfutter über zu lange Zeit oder die Zufütterung von extra Mineralstoffpräparaten sollte verzichtet werden. Die genetische Komponente kann nur durch gezielte Zucht, die überlastungsbedingte Komponente durch eine gute Aufzucht und Haltung im jugendlichen Alter verhindert oder minimiert werden.

Natürlich sollen Sie Ihren Welpen nicht in Watte packen, aber gerade bei den prädestinierten Rassen etwas genauer hinschauen.

Die Ursache einer ED
Bei 70-80 Prozent der betroffenen Hunde ist die ED genetisch bedingt. Vor allem große Rassen sind davon betroffen. Während der Aufzucht des Welpen spielt aber auch die Fütterung eine große Rolle! Zu energiereiches Futter, rasche Gewichtszunahme und schnelles Wachstum können kontraproduktiv für ein gesundes Knochenwachstum sein. Bei großen Rassen (über 35 kg Endgewicht) sollte daher ab dem 6. Lebensmonat proteinreduzierter gefüttert werden. Aus diesem Grund empfehlen wir für große Rassen ab dem 6. Lebensmonat, vom Produkt junior 1 auf das proteinreduzierte Produkt junior 2 umzustellen.

Aber schon bei der Auswahl des Welpen und des Züchters sollten einige Faktoren bedacht werden, denn es ist wichtig, dass beide Elterntiere ED frei sind und auch der Züchter bereits auf eine bedarfsgerechte und gesunde Ernährung - sowie altersgerechte Bewegung achtet.

Die Ellbogendysplasie ist eine Wachsstumsstörung, die meist im Junghundalter auftritt, weil in dieser Zeit das Längenwachstum der Knochen am meisten fortschreitet. Dies erklärt auch, warum die Symptome für eine ED am häufigsten in diesem Alter auftreten. Mit dem 10. – 12. Monat ist das Längenwachstum bei den meisten Hunden abgeschlossen. Bei besonders großen Rassen kann dies jedoch noch einige Monate länger dauern.

Wie eingangs bereits erwähnt, gab es Vermutungen, dass die Ellbogendysplasie mit dem Auftreten der Hüftgelenksdysplasie in Verbindung steht. Studien haben aber gezeigt, dass, außer einem ähnlichen Vererbungsmodus, die Krankheiten nichts miteinander zu tun haben.

Zeigt Ihr Hund also im Junghundalter eine mittel bis hochgradige Lahmheit, eine typische Schonhaltung mit nach außen gedrehten Pfoten und Unterarm und ggf. gedrehten Ellbogen sollten Sie unbedingt Ihren Tierarzt aufsuchen.

Das Ellenbogengelenk
Es ist ein so genanntes Scharniergelenk und besteht aus drei verschiedenen Knochenanteilen. Dem Oberarm, der Elle und der Speiche. Das Ellbogengelenk ist nur auf Streckung und Beugung beschränkt. Eine Rotation ist bedingt möglich. Der Oberarmknochen formt die Gelenkwalze. Das Gegenstück dazu ist die Speiche, die mehr Last als die Elle übernimmt. Von hinten wird die Gelenkwalze von einer halbmondförmigen Aussparung der Elle umfasst. Die inneren und äußeren Höcker am oberen Ende des Halbmondes nennt man „Processus anconaeus“ die beiden Höcker am unteren Ende des Halbmondes nennt man „Processus coronoideus“. Die „Höcker“ heißen auch Kronfortsatz.

Erscheinungsformen
Unter dem Begriff Ellbogendysplasie werden drei verschiedene Erscheinungsformen von Ellbogengelenkserkrankungen zusammengefasst:

1. OCD (Osteochondrosis dissecans):
Die OCD ist eine Knorpelwachstumsstörung und tritt meist an einem Körperteil auf, was mechanisch besonders stark beansprucht wird. D.h. eine OCD kann neben dem Ellenbogen auch im Schulter-, Knie- und Sprunggelenk auftreten. Im Wachstumsprozess der Röhrenknochen wandeln sich im Normalfall die Knorpelzellen an den Gelenkflächen und Wachstumsfugen durch Verkalkung in Knochenzellen um. Liegt aber ein zu schnelles Wachstum der Knochen vor, wird die Knorpelschicht zu dick und kann sich nicht schnell genug verknöchern. Der Knorpel stirbt ab. Es entstehen Risse im Knorpel und teilweise können sich ganze Knorpelschuppen lösen. Durch die Risse kommt Gelenkflüssigkeit mit dem unter dem Knorpel befindlichen Knochen in Kontakt. Es kommt zu einer Entzündung im Gelenk. Durch die Ansammlung von Flüssigkeit im Gelenk wird die Kapsel gedehnt, es entsteht Schmerz was eine Lahmheit beim Hund bewirkt. Die abgelösten Knorpelschuppen verbleiben in der Regel an ihrem Platz, können aber auch als freie Gelenkkörper im Gelenk gefunden werden.

2. FPC (Fragmentierter Processus coronoideus)
Die Ellenbogeninkongruenz
Hier ist der Processus coronoideus betroffen. Der Höcker am unteren Ende des Halbmondes der Elle, welcher erst im Alter von 4-5 Monaten verknöchert. Kommt es durch unterschiedliches Längenwachstum von Elle und Speiche zu einer Stufenbildung im Ellenbogengelenk, kann der Höcker (Kronfortsatz) durch Überbelastung von der zu langen Elle abbrechen. Die vorhandene Gelenkflüssigkeit bahnt sich einen Weg durch den Bruchspalt und ruft eine Entzündung, verbunden mit Schmerz und Lahmheit hervor.

3. IPA (Isolierter Processus anconeus)
Die Ellenbogenlahmheit.
Hierbei handelt es sich um den oberen Höcker (Kronfortsatz) der Elle, dessen Wachstumsfuge auch im Alter von 4-6 Monaten geschlossen sein sollte. Ist das nicht der Fall, liegt o.g. Krankheitsbild vor. Die Ursache ist ein verzögertes Wachstum der Elle, die sich dadurch nicht mehr mit der Speiche über den Gelenkfortsatz (Höcker) verbinden kann, somit liegt er frei im Gelenk. D. h. im Gegensatz zum Krankheitsbild FPC, wächst hier die Elle nicht so wie es sein soll. Die Verknöcherung ist noch nicht abgeschlossen aber die Speiche wächst und somit kann der Höcker am oberen Ende nicht anders und knickt ab. IPA tritt häufig bei Deutschen Schäferhunden auf. Ist dies der Fall, sollte noch im jugendlichen Alter (bis zum 7. Monat) der Processus anconeus mit einer Schraube fixiert werden.

Was kann man tun?
Bei allen drei Erscheinungsformen zeigen die Hunde Bewegungsunlust und Lahmheit. Je mehr die Hunde sich bewegen bzw. bewegt werden, desto mehr steigen die Schmerzen - hervorgerufen durch den entzündungsbedingten Erguss im Gelenk. Arthrosen sind leider nicht zu vermeiden. Die Gelenkschäden können nicht rückgängig gemacht werden. Dennoch sollten Sie Ihren Hund in jedem Fall kontrolliert bewegen. Spaziergänge an der Leine, Schwimmübungen, Aquatherapie und Physiotherapie sorgen für einen schonenden und wichtigen Muskelaufbau. Jedoch können diese Therapien nur die Beschwerden lindern und Folgeschäden minimieren. In vielen Fällen ist leider eine Operation unumgänglich. Besonders effektiv und erfolgversprechend ist die begleitende Physiotherapie nach der Operation. Hier wird Schmerzlinderung, Muskelentspannung der überbelasteten Strukturen sowie schonender Muskelaufbau erzielt.

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